Unsere Kirche

Die Geschichte unserer Gotischen Monstranz

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In der Schriftenreihe “Unser Matzen”  Nr. 4, 50 Jahre Barbarafeiern in Matzen, Kirche und Pfarre Matzen, Archivteam Matzen, Dr. Anton Hofer, Matzen, 2007, steht folgender Bericht:

“6.1  Unsere gotische Monstranz

Dieser größte Schatz der Matzner Pfarre ist durch sein hohes Alter und die Abnützung der Vergoldung durch den langen liturgischen Gebrauch bereits sehr empfindlich und befindet sich daher zu fachgerechter Aufbewahrung und regelmäßiger “Pflege” im Wiener Diözesanmuseum am Stephansplatz. Er wird nur zu ganz besonderen Gelegenheiten nach Matzen gebracht. (Das letzte Mal war das 1984 und 1994 bei den großen Jubiläen der Fall.)

Die Monstranz ist zwar in der Festschrift “200 Jahre Pfarre Matzen – 25 Jahre neue Kirche” (1984) und in der Publikation “Matzen speziell – Interessantes und Bemerkenswertes” (1994, von AH) ausführlich beschrieben, doch da anzunehmen ist, dass diese Schriften nicht mehr allgemein zugänglich sind, wiederhole ich hier die Vorstellung dieses einmaligen Kleinods:

Das aus Silber gearbeitete und vergoldete Kunstwerk ist 70 cmhoch (!), 21,5 cm breit und 17 cm tief und besteht, trotz seiner eleganten gotischen Ausgeglichenheit, aus drei unterschiedlichen Teilen:

  • für den Sockel mit den fein gearbeitetenKnauf und dem typischen Stockwerkaufbau gilt für die Herstellung sicherlich die eingravierte Jahreszahl 1508.
  • Die kleinen Gussfiguren, insbesondere eine Muttergottes-Darstellung mit Kind, sind aber höchstwahrscheinlich älter. Die Mariendarstellung entspricht einem in der Frühgotik üblichen Archetypus (Alttyp).
  • Das dreifachewimpergartige Gestänge mit den zwei Harrmännchen und der Kreuzblume als Abschluss dagegen scheint erst später angefügt zu sein.

Zu dieser Monstranz berichtet die Pfarrchronik:

“Leopold Graf Kinsky gab die in der Schlosskapelle befindliche silber-vergoldete Monstraz am 9. Jänner 1751 der Pfarrkirche zu Matzen unter der Bedingung zum Geschenk, dass die Monstranz nach gemachtem Gebrauch im Schlosse aufbewahrt werden solle.

Diese acht Mark schwere (1 Mark = 233,812 g, d.h. etwa 1,9 kg), mit Filigranarbeit gezierte Monstranz von schöner gotischer Form ist mit dem Befreiungsstempel versehen (d.h. bei den häufigen Silberablieferungen in Kriegs- und anderen Notzeiten – wie z.B. 1810 – brauchte sie wegen ihrer besonderen Kostbarkeit nicht abgeliefert zu werden). Sie trägt die Jahreszahl 1508 und soll nach der Versicherung des Matzner Pfarrers Wendelin Reimund (1816-1854) nicht im Gebiete des verödeten  Rust, dassüdlich an Matzen grenzte, gefunden worden sein., wie das Volk sagt, sondern wurde an der Stelle des gleichfalls (wahrscheinlich durch die Einfälle der Kuruzen) zerstörten Dorfes Reintal im Walde zwischen Matzen – Prottes – Ebenthal von Schlossknechten beim Umackern der öden Stätte ausgegraben.

Dafür spricht auch die Tatsache, dass die in der Pfarrkirche Prottes befindliche alte Muttergottesstatue am Hochaltar “Maria von Anger”, die weit ins Mittelalter zurückreicht, sich in verkleinerter Form auf der Monstranz befindet. Da Prottes eine alte Stiftspfarre ist, so ist wahrscheinlich, dass die Monstranz aus diesem Gebiet stammt. Die Monstranz soll auch heuer auf die Weltausstellung im Jahre 1870 den zweiten Preis bekommen haben. (Dieser Hinweis ist unklar, weil bei Weltausstellungen eigentlich keine Preise sondern nur Ehrenpreise oder Teilnahme- und Ehrenplaketten vergeben wurden.)

Dazu gibt es in der Bevölkerung noch die Fama, dass die Monstranz ursprünglich noch prächtiger geschmückt gewesen sei (die Nahtstellen der Verzierungen würden das nicht ausschließen, von der Gesamtkomposition her ist es aber kaum vorstellbar!) dass aber solche Verzierungen auf Bischofsbefehl entfernt werden mussten, weil die Matzner Monstranz sonst “wertvoller als die Bischofsmonstranz” gewesen wäre.

Zu diesen Berichten bzw. Sagen ist aus heutiger Sicht anzufügen:

  1. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass dieses überaus kostbare Stück in der Gegend von Reintal gefunden worden sein könnte. Dagegen spricht nämlich die Armut der kleinen Gemeinde, die Unwahrscheinlichkeit des Ackerns auf den vorhandenen Haus-Schutthügeln, vor allem aber die historische Nähe des Ortsunterganges (um 1680). Sie würde wohl zwingend auch eine Erwähnung in den vielen anderen Quellen aus dieser Zeit gebracht haben. Es fehlt aber jeder weitere Hinweis.
  2. Mehr Wahrscheinlichkeit hätte – trotz der obigen Bemerkung in deer Pfarrchronik – der Fundort Rust: Dafür würde sprechen, dass diese Pfarre daher verhältnismäßig reich war (siehe Ostarrichi-Urkunde), dass diese Pfarre daher verhältnismäßig reich war und dass sie die älteste Überlieferung als Fundstätte angibt. Dagegen allerdings spricht die “Verlagerung des Fundortes” und vor allem jeder geschichtliche Zusammenhang.
  3. Aus der Ähnlichkeit zwischen den beiden Muttergottesstatuen auf der Monstranz und in der Pfarrkirche Prottes abzuleiten “Sie hat somit ihren Heimatschein bei sich und hat weder nach Rust noch nach Reintal, sondern nach Prottes gehört” (Heimatbuch Prottes), ist nicht stichhältig, weil es sich bei beiden Darstellungen um verhältnismäßig häufige Archetypen (Alt- oder Vorbildtypen) handelt. Weiters spricht dagegen, dass der Abt des Siftes Melk, als für Prottes zuständig, sicherlich schon zur Zeit des ersten Auftauchens der Monstranz seinen Anspruch auf dieses Kleinod erhoben hätte. Darauf gibt es aber nirgends einen Hinweis.
  4. Frau Dir. Krebs (geb. Grün, Schwester von Frau Belak, beide waren Freundinnen der Komtessen und hatten so das Privileg, jederzeit im Schloss sich frei bewegen zu können. So erfuhren sie natürlich auch viel aus dem Familienwissen der Schlossherrschaft.) machte aber auf eine andere Möglichkeit aufmerksam, die mir die größte Wahrscheinlichkeit zu haben scheint: Bei der Aufteilung des Hausschatzes des Fürsten Wallenstein nach dessen Ermordung in Eger (1634) erhielt auch Fürst Kinsky, als einer der erfolgreichen Verschwörer, seinen Anteil. Unsere Monstranz sei nun ein Teil dieses Schatzes gewesen, sei so nach Matzen gekommen und hier im Schloss viele Jahre aufbewahrt worden. Erst nach über 100 Jahren sei sie dann unter den genannten Bedingungen der Pfarre geschenkt worden.

Für diese Erklärung der Geschichte spricht einiges:

  • Der enge Kontakt der Erzählerin zur Schlossherrschaft, sie wuchs ja mit den Komtessen als deren enge Freundin auf und kannte daher, wie gesagt, die Familiengeschichte und Familiengeschichterln aus erster Hand.
  • Die dadurch mögliche Erklärung für das eigenartige Verlangen, dass die Monstranz trotz der Schenkung an die Pfarre weiterhin im Schloss aufbewahrt werden sollte und so doch in Familienhand bleiben sollte, was eine besondere familiäre Anhänglichkeit an das “Familien-Souvenir” einsichtig begründen würde.
  • Diese These könnte auch erklären, wie eine solche Kostbarkeit aus den Prager Silber- und Goldwerkstätten, von dort stammt die Monstranz erwiesenermaßen, ausgerechnet nach Matzen und in den hiesigen “geheimen” Kinskybesitz gekommen wäre. “

Aus Schriftenreihe  “Unser Matzen” Nr. 4vom Archivteam Dr. Anton Hofer, Matzen, 2007