Hilfe für die Ukraine – Besuch in der Ukraine

Besuch in der Ukraine vom 5. bis 8. Juli 2015

Bereits zum zweiten Mal fuhren wir heuer wieder vom 4. bis 8. Juli in die Ukraine. Am späten Nachmittag des 4. Juli starteten wir in Matzen. Zuvor hatten wir unser Auto vollgepackt mit allem Möglichem (angefangen bei Schultaschen, alle möglichen Schulartikel, über Verbandsmaterial, Hygieneartikel bis hin zu Lebensmittel). In Wien holten wir Diakon Erich Steiner (Obmann des Vereines Marika Freunde) von der Pfarre zum Göttlichen Erlöser ab und fuhren bis Erd in der Nähe von Budapest. In Erd luden wir unsere mitgebrachten Spenden in das größere Auto von Thomas um.  Nach einem gemütlichen Abend bei Marika und Thomas schliefen wir in der Wohnung ihres Sohnes und starteten gemeinsam mit Katinka, unserer Dolmetscherin, und mit Thomas als Chaffeur um 7.00 Uhr früh am Sonntagmorgen. Thomas ist die Verbindung zwischen den Menschen in der Ukraine und den Menschen westlich der Ukraine. Er verteilt 2 mal im Monat die Spenden in der Ukraine.) Zu Mittag waren wir bei der Grenze zur Ukraine in Tiszakerösztür. Thomas hatte einen Freund, den Direktor des Waisenhauses von Tiszakerösztür, gebeten, uns beim Grenzübergang auf uns zu warten und behilflich zu sein- und so konnten wir problemlos die Grenze passieren.

Unsere mitgebrachten Spenden wurden in einem Waisenhaus, in Kindergärten, Sonderschule/Rehab und etlichen anderen Stationen verteilt. Wir wurden von allen schon erwartet und sehr herzlich aufgenommen und erfuhren viel von den Ängsten und Nöten der Familien, aber auch von den Problemen im Alltag von Kindergärten, Sonderschulen, Arztpraxen etc.  Ein Thema bei allen Menschen, mit denen wir sprachen, war immer wieder die Angst vor dem Krieg. Auch wenn im Westen nicht Kriegsgebiet ist, so werden doch die Burschen und Männer zwischen 18 und 60 Jahren in den Krieg geholt. Viele flüchten in andere Länder (vor allem nach Ungarn), weil sie keinen Sinn im Krieg und im Morden sehen.

Unsere Stationen:

das Waisenhaus in Tiszakerösztür

das Waisenhaus von Nelli in Huszt

das Behindertenzentrum von Marika in Huszt

Schule und Kindergarten in Salank

Kindergarten und Schule in Körösmezö

Behindertenfarm Ildiko und Erik Margetic in Vinograd

Kindergarten in Szöllösgyula (Kindergarten in Bau)

Kerzenwerkstatt von Behinderten in Visk

Besuch bei Andrey

Besuch bei der behinderten Marika und ihrem Baby

Besuch der Polyklinik und Arzt Laszlo in Salank

Ausflug

 

Einige Geschichten von unserem Besuch in der Ukraine:

„Waisenhaus“ in Tiszakerösztür

Unsere erste Station auf unserer Ukrainereise wir gleich das „Waisenhaus“ in Tiszakerösztür. Der Freund von Thomas führte uns durch das Haus, das gerade gereinigt und ein wenig renoviert wurde. Er berichtete uns, dass es an allem fehle. Wir bringen ihm Schultaschen und Thomas hat einige Taschen voller Schuhe. Auch Verbandsmaterial übergeben wir ihm.

Das Waisenhaus sieht sehr renovierungsbedürftig aus. Es gibt kaum Geld, um Material zu kaufen. Viele Glühbirnen fehlen. Erich Steiner, der Obmann vom Verein Marika Freunde, übergibt ihm eine Spende, die sogleich in Farbe umgesetzt wird. Zum Zeitpunkt, als wir dort waren, waren die Kinder gerade bei ihren Eltern oder in anderen Heimen untergebracht. Im Waisenhaus leben ca. 100 Kinder zwischen 5 und 16 Jahren, unter denen es auch viele Behinderte gibt. Bis vor wenigen Jahren hatte jedes Kind nur ein Bett im Heim besessen. Es gab weder einen Kasten für Kleidung noch irgendetwas, um private Sachen zu bewahren. Inzwischen hat Erich Steiner dafür gesorgt, dass jedes Kind zumindest ein Nachtkästchen besitzt (es sind Nachtkästchen, die in Österreich entsorgt worden wären). Viele der behinderten Kinder werden von den Eltern ins Heim gebracht und sind gar nicht echte Waisenkinder. Die Eltern schämen sich, ein behindertes Kind zu haben. Andere Kinder kommen aus sozial verwahrlosten Familien. Andere Kinder holt der Leiter des Waisenhauses von der Straße.

Eine kurze Geschichte: Kinder wurden in der Schule aus Spendenpaketen neu eingekleidet. Als die Kinder über das Wochenende nach Hause fuhren, kamen die Kinder am Montag wieder nahezu nackt in die Schule. Die Eltern haben die Kleidung der Kinder verkauft und um das erhaltene Geld Alkohol gekauft.

 

Nelli und ihre Familie, ein ganz privates Waisenhaus

Nelli ist eine ganz besondere Frau: Sie ist eine Mutter mit sehr vielen Kindern. In einem Haus, etwas größer als ein Einfamilienhaus, lebt Nelli (geschätzt 50 Jahre alt), mit ihrem Mann und ihren Kindern: 5 eigene Kinder, davon der älteste ein Priester, eine Tochter ist Nonne – sie war gerade bei den Eltern zu Besuch – und ein Sohn ist verheiratet und wohnt nicht mehr im Haus. Eine Tochter (ca. 13-15 Jahre alt) wohnt noch im Haus und hat uns ihr beachtliches Können auf der Querflöte in einigen Stücken von Vivaldi gezeigt. Sie will eventuell in Ungarn Musik/Querflöte studieren. Ein weiteres Kind spielt seit einem halben Jahr Klarinette. Auch sie wollte uns ihr Können zeigen. Das Mädchen glaubt bis heute, die eigene Tochter zu sein, in Wirklichkeit wurde sie mit 3 Wochen bei Nelli abgegeben und nie wieder abgeholt. Nelli fürchtet schon den Tag, wenn sie ihr die Wahrheit sagen muss.

Ein kleiner Romabub kam ins Zimmer, von dem uns Nelli erzählte, dass er erst langsam wieder Lachen lernen muss. Er war so sehr misshandelt worden, dass man die Narben noch immer sehen konnte. Er hatte Brandwunden von Zigaretten auf seinem ganzen Körper.

Nelli hat bis jetzt weit über 20 Kinder großgezogen. Sie hat versucht, jedem Kind einen guten Start ins Leben zu geben. Sie hat selbst keine großen Einkünfte: sie ist Musikschullehrerin – und ihr Gatte ist eigentlich arbeitslos, bekommt Geld für kleine Hilfsarbeiten und hilft ihr im Haushalt. Als wir sie besuchten, waren gerade 7 Kinder im Haus – im September hat sie gemeint, werden es ca. 12 sein. Sie bekommt vom Staat für jedes Kind eine kleine Unterstützung, die für das Kind zusammen gespart wird für den Start in eine eigene Wohnung, wenn sie bei ihr ausziehen.

Auf Grund ihres Alters hat sie bereits überlegt, keine Kinder mehr neu auf zu nehmen.

Dann ist es aber passiert, dass ein kleines Mädchen vor der Türe stand und sie bat, dass sie ihr wohnen darf. Da sie keine Papiere hatte, musste Nelli sie einstweilen anderweitig unterbringen. Ihre Verzweiflung darüber, was sie denn weiter machen soll, war sehr groß. Und so hat sie einmal in der Kirche gebetet: „Herrgott, bitte zeige mir, was ich denn weiter machen soll! Ich bin ja auch nicht mehr die Jüngste.“ (Nelli ist in der Kirche Lektorin und spielt auch auf der Orgel.)

Als sie aus der Kirche kam, stand das kleine Mädchen mit den Papieren vor der Kirchentüre und bat sie, bei ihr bleiben zu dürfen. Nelli hat gemeint: „Vater, ich hab dich verstanden“ und hat das kleine Mädchen zu sich mit nach Hause genommen.

 

Kindergarten und Schule in Körösmezö

In Körösmezö besuchen wir die Schule und den Kindergarten. Sowohl Kindergarten als auch Schule sind in einem Gebäude untergebracht. Und sie gehören bestimmt zu den Ärmeren.

Bei Kaffee und Kuchen erzählt uns die Leiterin von ihren Problemen.

Es gibt natürlich auch hier kaum Geld. Die Leiterin hat die Wahl, ob sie das Dach des Gebäudes reparieren lässt oder einen Brunnen bohren lässt für die Kinder. Das Dach ist kaputt, der Regen sickert durch das Dach. Aber noch größer ist das Problem mit dem Wasser. Dort wo der Brunnen ist, kommt nur noch ganz wenig Wasser.

 Auf einem anderen Platz vermutete man Wasser in ca. 40 m Tiefe und ließ dort bohren – es wurde aber festgestellt, dass vermutlich erst in 150 m Tiefe Wasser anzutreffen ist. 1 m der Bohrung kostet ca. € 70,–. Das dafür vorgesehene Geld reicht aber bei weitem nicht aus. So muss weiter sowohl für die Kinder im Kindergarten als auch für die Kinder in der Schule in Kanistern Wasser herbei geschafft werden (sowohl für den Bedarf der Kinder, für die Reinigung, Wäsche waschen etc.)

 

Kindergarten in Nagybacszkö

Wir besuchten den Kindergarten in Nagybacszkö. Nachdem uns die Kinder Lieder vorgesungen und Gedichte (die wir leider nicht verstanden) vorgetragen hatten, bekam jedes Kind, das im Herbst in die Schule kommt, eine der Schultaschen, die wir mitgebracht hatten.

Bei Kaffee und Kuchen im Garten erzählte uns die Leiterin des Kindergartens, dass vor kurzer Zeit die Tiefkühltruhe kaputt gegangen war.

Leider hatte der Kindergarten kein Geld, um eine neue anzuschaffen. Da es im Garten zur Zeit viel Obst und Gemüse gab, konnte nichts von alle dem eingefroren werden, das man im Winter wieder verwenden konnte. Erich Steiner überreichte der Kindergartenleiterin € 400,– für den Ankauf einer Kühltruhe. Die Kindergärtnerin war überglücklich über die Spende und besorgte am nächsten Tag gleich eine neue Kühltruhe.

 

Kerzenwerkstatt in Visk

Erwartet wurden wir schon von den Eltern des mongoliden Burschen. Auch sie erzählten von ihren Problemen: die Eltern des mongoliden jungen Mannes betreuen neben ihrem Sohn weitere behinderte junge Menschen in ihrem privaten Haus. Sie holen die Kinder und Jugendlichen mit ihrem eigenen PKW von zu Hause ab – der PKW ist aber leider schon sehr schwach – und so würden sie ein größeres Auto benötigen, um mehr Kinder im PKW transportieren zu können.

Ihre Bitte an uns alle: falls jemand ein günstiges größeres Auto weiß, vielleicht wäre ein Auto für sie möglich.

Die Behinderten, die hier zusammen kommen, verarbeiten in mühevoller Arbeit Reste von Kerzen und stellen dann wunderschöne Kerzen her. Da in der Ukraine ein allgemeiner Geldmangel herrscht, werden sehr wenige Kerzen verkauft. Für Luxusgüter wie Kerzen ist kaum Geld übrig. Viele von diesen Kerzen nimmt Thomas mit nach Ungarn und Österreich und sie werden auf Weihnachtsmärkten verkauft.

Der junge Mann erklärte uns bei einer Tasse Kaffee (auch Kaffee ist Mangelware und daher sehr teuer), wie eine Kerze hergestellt wird. Katinka, unsere Begleiterin, übersetzte uns alles ins Deutsche.